Fasanenjagd

Fasane – Flintenfutter für die Jäger und oberste Faunenverfälschung. Das Aussetzen von Fasanen um sie später abzuschießen, hat auch bei uns lange Tradition und wird nach wie vor praktiziert.

– Man kann Fasane, die in Volieren gezüchtet und dann in die Natur ausgesetzt werden, schon nicht mehr als Wildtier bezeichnen. Sie sind größtenteils halbdomestiziert. Die bei uns lebenden Fasane sind meist Mischformen aus verschiedenen Unterarten.
In der Wildbiologie werden nur solche Tiere als Wildtiere bezeichnet: „die ohne Dazutun des Menschen entstanden sind und über viele Generationen in freier Natur leben, sich in ihr unbegrenzt fortbewegen und ernähren können sowie sich frei fortpflanzen, ihre Entwicklung und Entfaltung ist dem vielseitigen Einfluss natürlicher Kräfte unterworfen.

Ausgesetzte Zuchtwildtiere vergrößern zwar den Gesamtbestand, jedoch sind genetische Neukombinationen, Inzuchtdefekte und Mutationen die Folge. Fachleute sprechen von einem schleichenden Prozess der „Verhaustierlichung“. Der Genotyp entspricht nicht mehr der zu schützenden Art, dieser stirbt durch die Gefangenschaftszucht aus. Der sich neu entwickelte Genotyp erfährt eine Anpassung an die Bedingungen der Gefangenschaft, nicht aber an die eines natürlichen Lebensraumes (Schneider, Schulte 1987).

Beispiele dieser genetischen Verkümmerung sind bekannt. Jahrzehnte der kommerziellen Fasanenzucht haben ausgereicht, diesen Tieren ihre wirksame Verhaltensweise und Verteidigungsmaßnahmen in der natürlichen, interspezifischen Auseinandersetzung wegzuzüchten. Die gezüchteten Fasane zeigen, außer dass sie sich nicht selbstständig genügend ernähren können, auch nur ein geringes oder sogar kein Fluchtverhalten mehr. Dieser für das Wildtier Fasan bedeutsame Funktionskreis existiert nicht mehr.

Die Haltungstechniken in der Fasan- und auch der Rebhuhnzucht sind der agrarindustriellen Massentierhaltung ebenbürtig. Histologische Veränderungen im Gehirn, Schädigungen und Fehlentwicklungen der visuellen Hirnrinde sind die Folge. –

Auch die Jäger wissen das, nur wollen sie auf dieses Jagdwild nicht verzichten und begehen mit dem Aussetzen von halbdomestizierten Zuchtfasanen, größte Faunenverfälschung. Gleichzeitig schaffen Sie sich somit einen Tötungsgrund um Fuchs, Marder, Waschbär und Co. töten zu können, die angeblich des Jägers ausgesetztes Zuchtwild bedrohen würden.

Hier ein Auszug aus einem Jagdmagazin:

„Auch wenn es vielerorts gelang, Fasane zu etablieren: „Die Evolution hat Fasane in den zentraleuropäischen Revieren nicht entstehen lassen.“ Nach Jahrhunderten der Fasanenauswilderung muss heute eingestanden werden, dass Fasanenbesätze einer entsprechenden Pflege und Hege bedürfen. Reviere mit mehr oder minder stabilen Vorkommen setzen stets entsprechenden Einsatz voraus: Fütterung, Prädatorenbejagung und konstantes Aussetzen von Jungvögeln bilden in vielen Revieren die Grundvoraussetzung. „Autarke“ Besätze ohne künstliche Stützung unterliegen oft großen Schwankungen und sind nur unter optimalen Bedingungen realisierbar.

Aus ökologischer Sicht stellen sich jedoch Fragen nach den Konsequenzen der Bestandsstützung, denn das Auswildern hat nicht nur eine (kurzfristige) Erhöhung der Besätze zur Folge, sondern kann auch andere Konsequenzen haben. So hat sich gezeigt, dass in Farmen aufgezogene Vögel mögliche Träger von Parasiten sowie bakterieller Krankheitserreger sein können. Durch das Aussetzen der Vögel werden natürliche Populationen, auch artfremde, gefährdet.

Eine Studie aus Großbritannien kam zu dem Ergebnis, dass die jährliche Auswilderung von Fasanen höchstwahrscheinlich den Heterakis gallinarum-Befall (Blinddarmwurm, ein Nematode) von Wildvögeln aufrechterhält oder sogar ansteigen lässt (Draycott und Sage 2005). Die Ausbreitung des Parasiten ist einer der Faktoren für den drastischen Rückgang der Rebhuhnbesätze (Perdix perdix) in Großbritannien (Tompkins et al. 2001). So zeigen zahlreiche Studien auch, dass die Prävalenz und Abundanz von Endoparasiten in den Wildvogelfäkalien in Gebieten mit häufiger Auswilderung um einiges höher ist als in Gebieten, in denen die Wildvögelbesätze durch Habitatverbesserungsmaßnahmen gestützt werden (Mani et al. 2001).“

http://www.halali-magazin.de/jagd/86-fasan/

Aus einem wissenschaftlichen Bericht (Link darunter)
„Eine der Hauptursachen der relativ schwachen Ergebnisse der seit vielen Jahren durchgeführten Massenintroduktion von Fasanen scheint der Mangel an entsprechenden Anpassungseigenschaften der in Volierenverhältnissen aufgezogenen Vögel zu sein. Es bestehen berechtigte Befürchtungen, dass die „Industrialisierung“ der Volierenzucht der Fasane das von Generation zu Generation fortschreitende Schwinden vieler Merkmale und Eigenschaften, die für die Vögel zum Leben in der freien Wildbahn notwendig sind, zur Folge hat.

Ziel der Arbeit waren die Untersuchung und der Vergleich eines Komplexes von biologischen Eigenschaften bei seit Generationen in Volierenverhältnissen gezüchteten wie auch wildlebenden Fasanen sowie die Bestätigung der auf dieser Basis aufgebauten Hypothese von der geringen Eignung der für Aussetzzwecke „industriemäßig“ aufgezogenen Fasane. Es wurde festgestellt, daß sich verschiedene Indices der biochemischen Umwandlungen im Gewebe der Fasane unterschiedlicher Herkunft signifikant voneinander unterscheiden. Dasselbe betrifft den Komplex morphologischer Eigenschaften, vor allen Dingen den Verdauungskanal. Weiter wurden unspezifische Reaktionen dieser Vögel auf äußere Impulse beobachtet, die von einem veränderten Verhalten zeugen.

Die erzielten Ergebnisse zusammenfassend, kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass das für das Aussetzen von Fasanen verwendete Volierenzuchtmaterial hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit an das Leben in der Freiheit von wenig entsprechender Qualität ist.“

http://link.springer.com/article/10.1007%2FBF02242493
http://link.springer.com/article/10.1007%2FBF02242493#page-1

Fasane sind also für unsere Breitengrade nicht geeignet, die gezüchteten Arten werden nur noch durch Aussetzen erhalten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Fasan…

Auch der DJV gibt offen zu, dass die bei uns vorkommenden Fasane keine reinen Wildtiere, sondern Kreuzungen aus verschiedenen Rassen sind. Trotzdem werden sie immer weiter gezüchtet und in die Natur ausgesetzt. Mit allen negativen Folgen für die Tiere selbst, für andere Arten, als potentieller Krankheitsüberträger usw..
https://www.jagdverband.de/content/fasan-phasianus-colchicus

Fasanenjagd macht den Jägern Spaß, früher wie heute und wenn es bei uns nicht mehr so viele Fasane zum Abschießen gibt, hilft man eben nach oder bucht gleich eine Jagdreise. Ballern bis die Rohre glühn und Abknallspaß garantiert.

Hierzu auch ein Link aus einem alten Spiegelbericht von 1991: Es hat Spaß gemacht !!

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13492139.html

(Foto: Abschaffung der Jagd)

Ein Gedanke zu „Fasanenjagd

  • Januar 16, 2018 um 2:03 pm
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